Tonfeldtheorie im Diskurs
Symposium zum 100. Geburtstag von Albert Simon (1926–2000)
- Samstag, 21.03.2026, 11:00-19:00 Uhr
- Sonntag, 22.03.2026, 10:00-19:00 Uhr
an der Hochschule für Musik und Theater München: Carl Orff Auditorium, Luisenstr. 37a, 80333 München
Die Veranstaltung wird von der HMT München in Kooperation mit der GMTH veranstaltet. Die Teilnahme ist kostenlos. Um eine Anmeldung per Email unter kontakt@georgthoma.de wird gebeten.
Vortragende (in alphabetischer Reihenfolge):
Marvin Balzer (Leipzig)
Folker Froebe (München)
Bernhard Haas (München)
Susanne Hardt (Dresden)
Michael Polth (Mannheim)
Stephan Quandel (Salzburg)
Stefan Rohringer (München)
Prof. Dr. Martin Rohrmeier
Dres Schiltknecht (Mannheim)
Johannes Schild (Köln)
Georg Thoma (München, Freiburg, Stuttgart)
Andreas Winkler (Köln)
Organisation: Georg Thoma
Albert Simon (1926–2000) war ein ungarischer Dirigent und Musiktheoretiker. Seine musiktheoretischen Überlegungen gründen in der ungarischen Tradition und weisen Bezüge zu Lajos Bárdos (›Neomodalität‹), Ernő Lendvai (›Achsensystem‹) und Zoltán (Vater) und Zsolt (Sohn) Gárdonyi (›Distanzprinzip‹) auf (Bodamer 2011).
In den deutschsprachigen Diskurs wurde Simons Ansatz durch Bernhard Haas’ Schrift »Die neue Tonalität von Schubert bis Webern. Hören und Analysieren nach Albert Simon« (2004) eingeführt; zugleich ist die Quellenlage prekär, da eine autorisierte Niederschrift Simons bis heute nicht vorliegt bzw. nicht zur Veröffentlichung freigegeben ist.
Simon versteht den musikalischen Zusammenhang als wesentlich durch ›Tonfelder‹ konstituiert. Anders als traditionelle Ansätze akzentuiert die Tonfeldanalyse nicht Satztechnik und Stimmführung, sondern die Klangcharakteristika spezifischer Tonmengen und die Beziehungen zwischen ihnen. Systematisch arbeitet sie mit wenigen Grundformen (›Quintenreihe‹, ›Funktion‹ und ›Konstrukt‹), die Haas zufolge auf mehreren Schichten einer Komposition wirksam sein können.
Die zeitliche Gültigkeit von Simons Ansatz ist Gegenstand des Diskurses: Polth bezeichnet die Theorie als »Erklärungsansatz einer modernen Tonalität« (2025); in der Literatur finden sich Referenzen auf Tonfelder u.a. bei Mozart (Polth 2006), Schubert (Haas 2004), Brahms (Rohringer 2013), Debussy (Polth 2011), Wagner (Schild 2010), Bartok (Haas 2011), Webern (Haas 2004). Die Tonfeldsystematik beschreibt damit verbindende Prinzipien kompositionstechnischer Verfahren über mehrere Jahrhunderte hinweg, auch wenn der analytische Schwerpunkt bislang vor allem auf Musik vom zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts lag.
Die Tonfeldtheorie wird in Fachkreisen seit etwa 20 Jahren intensiv rezipiert und aktiv weiterentwickelt – u.a. in der ZGMTH, sowie Beiträge im Rahmen der GMTH-Jahreskongresse und des Reger-Symposiums an der HMTM 2016. Dabei hat sie sich als anschlussfähig zu etablierten Ansätzen im deutschsprachigen Raum wie etwa der Funktionstheorie nach Hugo Riemann als auch solchen der angloamerikanischen Musiktheorie erwiesen, etwa der Neo-Riemannian Theory (Gollin und Rehding 2011), der Transformational Theory (Rings 2011) und der Set Theory (Forte 1973).
Gleichwohl handelt es sich bei der Tonfeldtheorie immer noch um einen Ansatz im Aufbruch, der noch keineswegs als etabliert gelten kann. Gerade deswegen scheint es sinnvoll, den 100. Geburtstag von Albert Simon zum Anlass zu nehmen, Musiktheoretiker*innen, die sich intensiv mit Simons Theorie und nahestehenden Ansätzen beschäftigen, im Rahmen eines Symposiums zusammenbringen, um die Potenziale der Theorie sichtbar zu machen und einen offenen wie kritischen Austausch zu ermöglichen.
Eingangs werden einführende Workshops für interessierte Studierende angeboten. Anschließend finden Fachvorträge (in ansteigender Komplexität) und eine Round-Table-Diskussion statt, in der Aspekte der Tonfeldtheorie ausdrücklich auch kritisch hinterfragt werden sollen.
Die Teilnahme ist kostenlos, wir bitten aber um Voranmeldung unter kontakt@georgthoma.de. Bei Interesse ist auch eine digitale Teilnahme möglich.
Programm
Samstag, 21.03.2026
11:00 – Begrüßung
11:30 – Prof. Dr. Michael Polth: »Einführung in die Tonfeldtheorie« (Workshop)
13:30 – Mittagspause
15:00 – Susanne Hardt: »Hauptschreckensschauplätze und Weitzmann-Regionen – zum Potenzial der Tonfeldtheorie in der Filmmusikanalyse«
15:30 – Folker Froebe: »Von phrygischen Klauselvarianten zum Konstrukt: Tonalität im II. Satz von Brahms’ 4. Sinfonie«
16:15 – Kaffeepause
16:45 – Marvin Balzer: »Konstruktwirkungen in Schönbergs ›Ode to Napoleon‹«
17:15 – Georg Thoma: »Wie hört man Tonfelder? Zum Verhältnis diatonischer und distanzieller Tonfelder«
18:00 – Round Table Diskussion 1
18:45 – Veranstaltungsende
Sonntag, 22.03.2026
9:30 – Einlass/Kaffee
10:00 – Prof. Bernhard Haas: »Das siebentönige Enneaton – Gestalt sowie Beispiele aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert (Stravinsky, Schönberg, Messiaen)«
10:45 – Andreas Winkler: »Tonfelder – Einige Gedanken zur Methodik der Analyse«
11:30 – Kaffeepause
11:45 – Prof. Dres Schiltknecht: »Tonfelder in Debussys Préludes«
12:30 – Prof. Johannes Schild: »Modus und Tonfeld bei Schostakowitsch«
13:15 – Mittagspause
14:45 – Über die Begegnungen mit Albert Simon – Interview & Diskussion mit Bernhard Haas
15:15 – Prof. Stefan Rohringer: »Tonfelder in Richard Strauss’ ›Malven‹«
16:00 – Kaffeepause
16:30 – Stephan Quandel: »Das Konstrukt und seine Funktion«
17:15 – Prof. Dr. Martin Rohrmeier: »Überlegungen zur formalen Grundlegung der Tonfeldtheorie«
18:00 – Round Table Diskussion 2
18:45 – Veranstaltungsende