Call for Papers

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»Modelle«

22. Jahreskongress der Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH)

Universität Mozarteum Salzburg

30. September bis 2. Oktober 2022

Modelle sind Grundkonstituenten des Denkens. Modelle können Wissen oder Erfahrungswerte ordnen, als Komponenten komplexere Zusammenhänge schaffen, durch Kategorisierung zur Begriffsbildung beitragen und als Ausgangs- oder Reibepunkt dienen.

In Bezug auf die Jahrestagung der GMTH und ihr Themenfeld Musiktheorie soll der Begriff »Modell« auf ganz unterschiedlichen Ebenen greifen und möglichst weit gedacht werden. Als Abstraktion birgt jedes Modell auch immer Gefahren einer zu großen Reduktion von Komplexität oder einer Einschränkung der Perspektive in sich. Deshalb können Modelle hier nicht nur in einem bejahenden Diskurs behandelt, sondern sollen auch ex negativo diskutiert und kritisiert werden. Denn sowohl die Herausarbeitung und Benennung von Modellen als auch das Ausloten ihrer Grenzen und Beziehungen zur musikalischen Wirklichkeit oder eine grundsätzliche Diskurskritik können zu spannenden Auseinandersetzungen und fruchtbaren Ergebnissen führen.

Musiktheorie als Fachdisziplin beruht auf den Säulen künstlerischer, wissenschaftlicher und pädagogischer Praxis, sie ist an institutionelle Modelle und dadurch bedingte Vermittlungsformen gebunden und wird von wissenschaftlichen, pädagogischen und künstlerischen Entwicklungen beeinflusst. So können zum einen wissenschaftstheoretische, kognitive und soziale Modelle aufschlussreich für den musiktheoretischen Diskurs sein, zum anderen bestimmen Unterrichtsmodelle, Modelle für Bewerbungen, Berufungen und andere Konventionen den Berufsalltag und die Prägung des Faches. Reflexionen über bestehende und innovative Modelle können Ideen und Fragestellungen zu einer Musiktheorie der Zukunft inspirieren, die sich auf den fachlichen Diskurs oder mögliche Entwicklungen des Berufsbildes beziehen.

Auch die Jahrestagungen der GMTH sind in ihrer Organisation an einem Modell orientiert, das Anfang der 2000er Jahre geprägt wurde und welches wir mit dieser Ausschreibung hinterfragen, aufbrechen und neu gestalten möchten. Aus diesem Grund laden wir dazu ein, über neue Vermittlungsformate nachzudenken, die über einen rein wissenschaftlichen Diskurs hinaus einen künstlerischen und pädagogischen Austausch ermöglichen und musikpraktische wie fächerübergreifende Elemente integrieren. In diesem Zusammenhang bieten wir an, die bisher übliche Präsentationsform mit einem Zeitfenster von 20+5 Min. durch vielfältige und interaktive Formate zu erweitern. Damit möchten wir der bunten, historisch bedingten Wildwüchsigkeit des Faches Musiktheorie mit seinen vielen unterschiedlichen Vertreter*innen, Interessensbereichen und Aktivitäten eine adäquate Plattform bieten, sich zu artikulieren, und einen intensiven Austausch anregen.

Wir möchten Sie dazu einladen, sich nicht nur inhaltlich auf die weiträumige Thematik einzulassen, sondern durch Vorschläge neuer Formate zur Gestaltung beizutragen. Natürlich sind auch Einreichungen für die bisher üblichen Formate erwünscht. Die folgenden Auflistungen von Themen und Formaten sind als Anregungen zu verstehen.

Mögliche Themenbereiche:

  • Modell als Abstraktion: Abstrahieren von Mustern in der Analyse, Formenlehre, Satzlehre etc., auch in Bereichen, die sich vielleicht (sogar absichtlich) auf den ersten Blick solchen Ordnungen entziehen (etwa Neue Musik)
  • Modell im Dialog: Bezugnahme auf Modelle zur musikimmanenten Entwicklung von »Bedeutung«, etwa in Form von Traditionsbezügen in der Musik oder als persönliche Verortung von Komponist*innen in der Geschichte
  • Modell als Idealtypus: Historische, pädagogische, satztechnische, analytische … Modelle
  • Modell und Realität, Kritik am Umgang mit Modellen, »Jenseits des Modells«
  • Modell als Ausgangspunkt für Ausarbeitung: Improvisation, künstlerischer Tonsatz, Komposition in unterschiedlichen Genres, ggf. mit künstlerischer Präsentation
  • Modelle der Transformation: Von anderen Künsten oder Disziplinen zur Musik, von der Musik zu anderen Künsten oder Disziplinen
  • Kulturelle Modelle und Denkmodelle vor dem Hintergrund musiktheoretischer, -historischer, -pädagogischer, -theoriegeschichtlicher oder wissenschaftstheoretischer Entwicklungen und Diskurse
  • Modelle im musiktheoretischen Berufsalltag:
  • Modelle für Ausschreibungs-, Berufungsverfahren und Hearings
  • Pädagogische Modelle
  • »Sozio-musiktheoretische« Modelle – Rollen, Konstellationen, Grundvoraussetzungen im Unterricht
  • Kooperationsmodelle zwischen den Hochschulen, zwischen Hochschule und außerhochschulischem Bereich, international
  • Modelle interdisziplinärer Zusammenarbeit (inkl. Artistic Research)
  • Alte und neue Modelle der Verankerung des Faches in den diversen institutionellen Strukturen (Hochschulen, Universitäten, Musikschulen, Schulen, Pre-Colleges, Frühförderung etc. in DE, AT und CH)
  • Modelle für eine Musiktheorie der Zukunft
  • Weitere Bereiche zur freien Wahl: kreativ an das Thema Modelle anknüpfend, ggf. in anderen Zusammenhängen als oben genannt
  • Freie Sektion

Formatvorschläge:

  • »Konzert«: Vortrag mit Respondents oder Coaching, ggf. auch mit Live-Musik, auf die Bezug genommen wird oder die als Gegenstand der Betrachtung zur Debatte steht
  • »Symphonia concertante«: Round Table/Panel mit Publikumsdiskussion
  • »Werkstatt«: Workshops (für Studierende, für Lehrende oder in Kombination), ggf. mit musikalischer oder anderer Abschlusspräsentation
  • »Kammermusik (Duos, Trios, Quartette)«: Ein Modell, verschiedene Sichtweisen, oder ein Stück, verschiedene Modelle (Abstract/Antrag als Gruppe), evtl. auch als »Battaglia« mit integrierter Publikumsdiskussion
  • »Improvisationen«: Freier Austausch zu bestimmten Themen (z.B. im Anschluss an Keynotes oder thematisch definierte Sektionen), ggf. auch Impulsreferate, auf die die Referent*innen Reaktionen suchen, musikalischer Austausch zu bestimmten Modellen, ggf. auch mit Impuls
  • »Introduktionen«: Arbeitsgruppen/Interessensgruppen stellen sich, ihre Projekte und ihre Ergebnisse vor.
  • »Promenade«: Kurzeinführungen in laufende Forschungsprojekte, pädagogische Ansätze, neue Software und ähnliche Dinge, die sich wie an einem Messestand präsentieren lassen
  • Studentische Sektion: Hier sind entsprechende, an den Tagungsinhalt gebundene oder freie musiktheoretische Proposals sowie vielfältige Formate ebenfalls möglich.
  • Weitere Ideen zu neuen Formaten würden wir begrüßen, wobei deren konkrete Umsetzung in Absprache mit dem GMTH-Vorstand zu klären ist.


Wie oben erwähnt, sind Einreichungen für die bisherigen Formate ebenfalls willkommen.

Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge, auf eine intensive Auseinandersetzung mit der Thematik und dem Modell des GMTH-Kongresses sowie auf ein weites Spektrum von gleichermaßen visionären wie umsetzbaren Ideen in allen Facetten unseres Fachs.

Die endgültige Benennung und Einteilung aller Sektionen erfolgt erst nach der Auswahl der Einreichungen, um aus der angestrebten Vielfalt der Vorschläge ein entsprechend anregendes und praktikables Programm zu gestalten. Bitte geben Sie für Ihre Einreichung einen der vorgegebenen Themenbereiche oder einfach einen eigenen Vorschlag an. Sollte Ihr dafür gewähltes Format keiner der Vorgaben im Eingabeformular entsprechen, bitten wir um eine kurze Beschreibung im dafür vorgesehenen Feld.

Die Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.

Einsendeschluss war verlängert bis zum 15. März 2022.