Heinzelmann, Sigrun (2003/05): Nordamerikanische Musiktheorie und ihre Institutionen. ZGMTH 1–2/2/2–3
veröffentlicht / first published: 01/04/2005
zuletzt geändert / last updated: 15/01/2010

Nordamerikanische Musiktheorie und ihre Institutionen

Sigrun Heinzelmann

Die Entwicklung der Faches Musiktheorie in den USA und Kanada ist eng verbunden mit der Spezifik seiner institutionellen Einbindung. Im ersten Teil des dreiteiligen Textes werden die unterschiedlichen Klassifikationen und Zielsetzungen der nordamerikansichen Universitäten, Colleges und Konservatorien dargestellt, die das Fach Musiktheorie anbieten. Der zweite Teil zu Fragen der Lehre beleuchtet die Rolle des Theorieunterrichts im Musikcurriculum, die entsprechenden Unterrichtsinhalte sowie Spezialisierungen der wichtigsten nordamerikanischen Ph.D.-Studiengänge. Abschließend wird das Berufsbild des Musiktheoretikers bzw. der Musiktheoretikerin im Hinblick auf die Aspekte der Professionalisierung, des Lehrpensums, der Forschung und des kollegialen Austausches diskutiert. Ein Anhang informiert über professionelle Musiktheorieorganisationen und Studienabschlüsse.

Innovationskraft und Produktivität, Professionalität und Pluralität nordamerikanischer Musiktheorie verdanken sich wesentlich ihrem akademischen Status und damit ihrer Einbettung in das amerikanische Universitätssystem.[1] Die konkreten Verhältnisse, die sich hinter der Formulierung ›akademischer Status‹ verbergen, sind in Europa freilich keineswegs allgemein bekannt. Im folgenden soll daher ein Überblick über die Struktur der fachrelevanten Institutionen, die Besonderheiten der musiktheoretischen Ausbildung und das Berufsbild des Musiktheoretikers in Nordamerika versucht werden.

1. Institutionen

Verschiedene Institutionstypen setzen verschiedene Schwerpunkte. Während Konservatorien im allgemeinen den Instrumentalunterricht in den Mittelpunkt rücken, legen Universitäten und Colleges größeren Wert auf die akademische Ausbildung.[2] Colleges bieten hauptsächlich Bachelor- und (in geringerer Anzahl) Masterabschlüsse an, während der Doktortitel (Ph.D.) nur an Universitäten erworben werden kann. Entsprechend unterscheiden sich die Pflichten eines Musiktheoretikers an einer Universität von denen seines Kollegen an einem College oder einem Konservatorium.

Die Standardisierung aller Musikstudien-Programme und Curricula ist Aufgabe der National Association of Schools of Music (NASM). Die Mitgliedschaft in der NASM ist ein Gütesiegel, das sich für die betreffende Institution fachlich, rechtlich und finanziell auswirkt.[3] Verliehen wird sie nach Abschluß eines Akkreditierungsverfahrens. Akkreditierte, ›degree-granting institutions‹ werden von der Carnegie Foundation for the Advancement of Teaching in folgende Rubriken eingeteilt:[4]

1. Doctorate Granting Institutions

I: Doctoral / Research Universities – Extensive: Universitäten mit breitem Fächerangebot für Bachelor Studies, Schwerpunkt auf Graduate Studies und Vergabe von mindestens 50 Doktortiteln pro Jahr in mindestens 15 verschiedenen Disziplinen.

II: Doctoral / Research Universities – Intensive: Vergabe von mindestens zehn Doktortiteln pro Jahr in mindestens drei verschiedenen Disziplinen oder von 20 Doktortiteln insgesamt.

2. Masters Colleges und Universities

I: Institutionen mit breitem Fächerangebot für Bachelor Studies, Schwerpunkt auf Graduate Studies und Vergabe von mindestens 40 Mastertiteln pro Jahr in mindestens drei verschiedenen Disziplinen.

II: Institutionen mit breitem Fächerangebot für Bachelor Studies, Schwerpunkt auf Graduate Studies und Vergabe von mindestens 20 Mastertiteln pro Jahr.

3. Baccelaureate Colleges werden in drei Kategorien eingeteilt. Als Arbeitgeber für Musiktheoretiker(innen) kommt dabei meist nur die erste Kategorie der Liberal Arts Colleges in Frage.

4. Für Musiktheoretiker(innen) von Interesse ist des weiteren noch die Kategorie der Schools of Art, Music, and Design. Sie beinhaltet spezialisierte Institutionen, die Bachelor-, Master- oder Promotionsstudiengänge anbieten, mit der Mehrheit der Abschlüsse im Fachbereich ihrer Spezialisierung. Schools of Music können als unabhängige Privatschulen existieren wie die Juilliard School of Music oder aber in eine Universität eingegliedert sein wie die Jacobs School of Music, die der University of Indiana Bloomington angehört, oder die Eastman School of Music, die Teil der University of Rochester ist. Im ersten Fall ähnelt die Schwerpunktsetzung der eines Konservatoriums. Im zweiten Fall spielen durch die Anbindung an eine Universität akademische Fächer eine größere Rolle. Im Unterschied zu Departments of Music handelt es sich bei diesen Schools of Music jedoch um verhältnismäßig unabhängige Verwaltungseinheiten mit eigenem Dekan oder Direktor und daher größerer Entscheidungsfreiheit.

Weitere Faktoren, die den Charakter einer Anstellung in Musiktheorie beeinflussen, sind der individuelle Schwerpunkt der Institution, ihre Größe, geographische Lage und finanzielle Ausstattung sowie die Anzahl der Studierenden und die Zusammensetzung der Studentenschaft. Da die geographische Ausdehnung und die Geschichte der USA extreme klimatische, soziale und politische Unterschiede zur Folge haben, spielen diese Faktoren bei der Arbeitssuche und Bewerbung eine nicht unerhebliche Rolle.

2. Lehre

Musiktheorieunterricht an akademischen Einrichtungen in den Vereinigten Staaten hat grundsätzlich zwei Aufgabenbereiche. Der erste, oft als ›service component‹ des Faches bezeichnet, steht im Dienste der soliden Ausbildung aller Musikstudierenden, unabhängig von deren Hauptfach. Der zweite Aufgabenbereich umfaßt Unterrichtsangebote, die in erster Linie auf Studierende mit Schwerpunkt oder Hauptfach Musiktheorie ausgerichtet sind, daneben aber auch von anderen Studenten (ggf. in Absprache mit dem Professor) belegt werden können.

Da die fachliche Vertiefung notgedrungen mit einer Spezialisierung (sowohl der Fakultät als auch der Studierenden) einhergeht, werden die inhaltlichen Unterschiede zwischen den Unterrichtsangeboten der verschiedenen Schulen in der Regel um so größer, je fortgeschrittener das Studium und der angestrebte Abschluß sind. Gute Master- und Promotionsstudiengänge allerdings gewährleisten durch eine anspruchsvolle Abschlußprüfung[5] ein hohes Maß an umfassender Fachkenntnis. An vielen Schulen muß diese Prüfung erfolgreich abgelegt worden sein[6], bevor die Arbeit an der Thesis oder Dissertation beginnen kann.

Musiktheorie als Pflichtfach (theory core curriculum)[7]

Sowohl im Bachelor- als auch im Masterstudium wird eine bestimmte Anzahl von Theoriekursen von allen Studierenden gemeinsam besucht. Im Bachelor-Studium sind dies in der Regel Pflichtveranstaltungen, die in einer bestimmten Reihenfolge belegt und Schritt für Schritt erfolgreich bestanden werden müssen. Theorie und Gehörbildung werden separat oder in integrierter Form gelehrt. Das für alle Studierenden obligatorische Theoriepensum dauert in der Regel zwei Jahre. An den meisten Institutionen ist eine solche Klasse drei credits wert; dies entspricht drei Semesterwochenstunden von meist 50 Minuten. Das Curriculum beginnt mit den sogenannten ›rudiments‹ – Grundkenntnissen in allgemeiner Musiklehre.[8] An Schenker-inspirierten Hochschulen werden im ersten Semester oft auch die Grundzüge der Fuxschen Gattungen unterrichtet.[9] Das zweite Semester hat die sogenannte diatonische Harmonik zum Inhalt, Studierende lernen die Prinzipien des vierstimmigen Satzes. Das dritte Semester erweitert das harmonische Repertoire mit chromatischen Harmonien und Funktionen, das vierte stellt atonale Prinzipien vor. Formenlehre ist meist ein Bestandteil dieser Abfolge und wird im Zusammenhang mit den entsprechenden harmonischen Prinzipien unterrichtet, kann aber auch als separater Kurs angeboten werden. Parallel zu dieser Theoriesequenz wird eine Gehörbildungssequenz unterrichtet, deren Inhalte mehr oder weniger denen der Theoriesequenz folgen.[10] Die Gehörbildungskomponente zählt an den meisten Institutionen zwei credits.[11] Ein drittes Element der theoretischen Grundausbildung ist die klavierpraktische Darstellung von Inhalten der Harmonielehre, die sogenannte ›keyboard harmony‹.

Nach Abschluß der Theorie- und der Gehörbildungssequenz besteht an manchen Instituten die Möglichkeit, Analyseklassen zu belegen. Oft erhalten interessierte undergraduate students auch die Erlaubnis, an anspruchsvolleren Klassen oder Seminaren teilzunehmen.

Im Master- und Promotionsstudium müssen Studierende jedes Hauptfachs ein Minimum an credits für Musiktheorie und Musikgeschichte ablegen; den NASM-Empfehlungen zufolge soll der aus Musikgeschichte, Musiktheorie und Instrumentalpraxis bestehende core curriculum bei einem allgemeinen Masterabschluß ein Drittel des Studieninhaltes ausmachen. Die entsprechenden Veranstaltungen können die Studierenden je nach Größe und Qualität des Musik-Lehrangebots aus einem mehr oder weniger breiten Angebot auswählen. Das zweite Drittel ist anderen Musikfächern, das dritte frei wählbaren Kursen gewidmet. Für hauptfachspezifische Masters-Abschlüsse empfiehlt die NASM, ein Drittel der belegten Kurse für das Hauptfach zu reservieren.

Musiktheorie als Hauptfach

Innerhalb der höheren Musikausbildung in Nordamerika wird zwischen der praxis-orientierten Ausbildung zum professionellen Musiker und der akademisch orientierten Ausbildung zum Musikwissenschaftler unterschieden. Zum einen prägt diese Unterscheidung wie gesagt die Institutionstypen: An Konservatorien und Schools of Music steht der erste Bereich im Vordergrund, an Universitäten der zweite. Zum anderen macht sich diese Unterscheidung aber auch in verschiedenen Typen von Promotionsabschlüssen bemerkbar. Verwirrend für Außenstehende ist dabei, daß die Typen der Promotionsabschlüsse nur zum Teil vom Typus der Institution[12] abhängen. Das NASM-Handbuch unterscheidet zwei Grundtypen von Abschlüssen, den wissenschaftlich orientierten Ph.D. (Doctor of Philosophy) und den praxis-orientierten DMA (Doctor of Musical Arts) bzw. DME (Doctor of Music Education).[13] Varianten beider Typen sind möglich, aber eher selten.

Während der Ph.D. nur von Universitäten angeboten wird, kann der DMA sowohl an Konservatorien oder Schools of Music als auch an Universitäten erworben werden. DMA-Abschlüsse sind typisch für sogenannte Performance Degrees (am ehesten vergleichbar mit der Konzertausbildung oder dem Solistenexamen, jedoch mit höheren akademischen Anforderungen), in manchen Fällen auch Music Education (vergleichbar mit Schulmusik) und Komposition. Ph.D.-Abschlüsse sind typische Titel für Musiktheorie und Musikwissenschaft, in manchen Fällen auch für Music Education und Komposition. Am Graduate Center der City University of New York (CUNY) können Studierende des Hauptfachs Komposition sogar zwischen einem eher praxisorientierten DMA- und einem akademisch orientierten Ph.D.-Studiengang wählen.

Im folgenden soll nur vom Promotionsstudium im Fach Musiktheorie die Rede sein. Da es sich beim Ph.D. um den höchstmöglichen musiktheoretischen Abschluß handelt, kann dieser Fokus einen guten Einblick in die wichtigsten Studieninhalte vermitteln; zudem läßt sich vieles hier Erwähnte auch auf Masters-Studiengänge übertragen. Da zur Zeit keine veröffentlichten Daten zu den verschiedenen Graduate Programs vorliegen, basieren meine Ausführungen auf Beispielen einiger bekannter Ph.D.-Programme.[14]

An den meisten betrachteten Institutionen sind Pflichtkurse in Tonal Analysis oder Schenkerian Analysis (1–3 Semester), historischer Musiktheorie (1–3 Semester) und Post-Tonal Analysis (1–2 Semester) üblich. Weitere Studienbereiche sind Rhythmik und Metrik, Motivik und Form, Transformationstheorie, Neo-Riemannian Theory, Pädagogik der Musiktheorie und Analyse chromatischer Musik. Auch Kurse in Kontrapunkt, Komposition, Orchestrierung, Formenlehre sowie Techniken musikwissenschaftlichen Arbeitens werden verlangt, sofern sie nicht schon im Masterstudium absolviert wurden. Darüber hinaus können oder müssen spezialisierte Seminare mit Titeln wie »Current Developments in Music Theory«, »Music of the 1950s and 60s«, »Perception and Cognition« oder »Atonal Voice Leading« belegt werden. Zur Förderung breiterer Fachkenntnisse haben Doktorand(inn)en mit Hauptfach Musiktheorie auch ein Minimum an Kursen oder Seminaren in Musikgeschichte / Historischer Musikwissenschaft und Vergleichender Musikwissenschaft zu absolvieren, wobei die Musikgeschichtsklassen in der Regel mindestens zwei verschiedene Epochen abdecken müssen. Die meisten Ph.D.-Programme verlangen Kenntnisse in mindestens zweien der Fremdsprachen Deutsch, Französisch, Italienisch oder Latein. Viele Ph.D.-Programme führen außerdem sogenannte ›musicianship exams‹ durch, in denen Doktoranden Fertigkeiten wie Choralsatz, Transposition, Blatt- und Partiturspiel, Generalbaßspiel und die praktische Ausführung gängiger Harmoniefortschreitungen demonstrieren müssen.

Das Promotionsstudium der Musiktheorie, das mit dem geisteswissenschaftlichen Ph.D. (Doctor of Philosophy) abgeschlossen wird, kann nur an sogenannten Research Universities absolviert werden. Das Niveau dieser Ausbildung ist von Institution zu Institution sehr unterschiedlich; allgemein besteht jedoch Konsens über die besten Ph.D.-Studiengänge in Nordamerika.[15] Da das Ansehen eines Doktortitels vom Ruf des Instituts abhängt, in dem er erworben wurde, bemühen sich angehende Doktoranden um einen Studienplatz an den besten Universitäten. Aufgrund hoher Studiengebühren spielen auch finanzielle Aspekte (die Höhe, Dauer und Verfügbarkeit von Stipendien, Scholarships und Assistantships) eine große Rolle und führen zu einer zweigleisigen Konkurrenzsituation: Einerseits bemühen sich die Studienbewerber(innen) um höchstmögliche finanzielle Unterstützung an einer der Universitäten ihrer Wahl, andererseits konkurrieren die angesehensten Institute um die besten Studenten – von deren erfolgreicher Karriere ja dann wieder der Ruf des jeweiligen Instituts profitiert. Ein nicht zu unterschätzendes Auswahlkriterium ist der fachliche Schwerpunkt des jeweiligen Ph.D.-Studiengangs. Eine erfolgreiche Bewerbung setzt die Kenntnis der Spezialgebiete der Fakultät und der Stärken des Instituts voraus. Die für die Aufnahme verantwortlichen Professoren bemühen sich ihrerseits, im persönlichen Gespräch ein Bild der individuellen Interessen des Bewerbers zu gewinnen.

Das CMS Directory of Music Faculties enthält derzeit[16] 44 Masterstudiengänge im Fach Musiktheorie in den USA, drei in Kanada, 37 Ph.D.-Studiengänge in den USA und zwei in Kanada.[17] Im folgenden soll der fachliche Schwerpunkt einiger zufällig ausgewählter Ph.D.-Programme genauer umrissen werden. Zunächst zu den Institutionen der sogenannten Ivy-League.[18] Harvard ist für seinen Elitestatus[19] und für seine enge Verknüpfung von historischer Musikwissenschaft und Musiktheorie bekannt. Yale legt großen Wert auf historische Musiktheorie, post-tonal theory und entwickelt sich in jüngster Zeit auch zum Zentrum für chromatic theory und transformational theory. Zur Liste der theoriestarken Ivy-League Universities gehört auch Columbia in New York City. Auch wenn die Princeton University in New Jersey durch Milton Babbitt und dessen Studenten eine wichtige Rolle in der Entwicklung der amerikanischen Musiktheorie spielte, wird Musiktheorie dort doch hauptsächlich in Verbindung mit Kompositionsstudien gelehrt. Die Fakultät besteht vor allem aus Musikwissenschaftlern und Komponisten, und bis auf eine Ausnahme wurden Ph.D.-Doktortitel in diesen beiden Fächern, nicht aber Musiktheorie vergeben.

An der City University of New York (CUNY) führt der aus den Fakultäten der verschiedenen Colleges der City bestehende Lehrkörper des Graduate Center das Vermächtnis der ehemaligen Schenker-Hochburgen Queens College and Mannes School of Music fort. Auch post-tonal theory und transformational theory sind stark vertreten. Zusätzliche Schwerpunkte liegen neuerdings auf feministischen Studien und Studien zu amerikanischer Musik. Auch hier unterhält die Theoriefakultät enge Beziehungen zu den Fakultäten für Historische und Vergleichende Musikwissenschaft. Einen sehr guten Ruf genießt schließlich auch der Theoriestudiengang der University of Pennsylvania in Philadelphia.

Das Theorieprogramm an der Eastman School of Music an der University of Rochester zeichnet sich durch eine exzellente Ausbildung in nahezu allen Bereichen moderner Musiktheorie aus; ein rigoroses System von wechselnden Teaching Assistantships sorgt für ausgiebige Lehrerfahrung. Im mittleren Westen gelten die Programme von Bloomington (Indiana University), der University of Chicago, der University of Michigan (Ann Arbor) und der Ohio State University als herausragend; Bloomington, Eastman, Ohio und die Florida State University legen großen Wert auf Theoriepädagogik, wobei Ohio (wie übrigens auch Eastman) ein eigenes Zentrum für den Forschungszweig Music Cognition unterhält. Mit dem Center for the History of Music Theory and Literature vertritt Bloomington auch stark die historische Musiktheorie.[20] Anziehungspunkte an der Westküste sind die Universitäten von Oregon in Eugene, California, Santa Barbara (UCSB), weiter nördlich die Universities of Washington und British Columbia (Kanada).

Das fachliche Profil einer Institution kann sich etwa durch Neuberufungen ändern. Das CMS Directory of Music Faculties sowie Stellenausschreibungen und Internetseiten helfen hier, auf dem neuesten Stand zu bleiben.

3. Berufsbild

Professionalisierung

Da sich die Einrichtung von Master- und Promotionsstudiengängen im Fach Musiktheorie auch auf die Lehrplangestaltung des Bachelor-Studiums auswirkte, wurde die Lehre mehr und mehr ausgebildeten Musiktheoretikern übertragen.[21] Ein Vorzug der Professionalisierung liegt in der engen Integration von Forschung und Lehre. Zum einen werden neueste Forschungsergebnisse und Analysemethoden meist binnen weniger Jahre in die Graduate Curricula aufgenommen, zum anderen ist der Übergang vom Studium zur Lehrtätigkeit oft fließend, da Graduate Students ihr Studium häufig durch Teaching Assistantships finanzieren.[22] Die Integration von Lehrinhalten in das Undergraduate Curriculum hat innerhalb der letzten Jahrzehnte ihrerseits zur Entwicklung des Gebietes der Musiktheoriepädagogik geführt. Freilich ist dem System eine gewisse Hermetik eigen: Da die Stellen außerhalb der Bildungseinrichtungen rar sind, wird der Zweck des Studiums, zu einer festen Anstellung an einem College oder an einer Universität zu verhelfen, zur primären Raison d’Être akademischer Qualifikationsstrukturen. Die Zugehörigkeit zu einer akademischen Institution (academic affiliation), sei es als Student(in) oder im Lehrkörper, wird innerhalb der scientific community im Prinzip als selbstverständlich vorausgesetzt. Nicht affiliierte Mitglieder der SMT haben deshalb manchmal das Gefühl, als minderwertig betrachtet oder bemitleidet zu werden. Auch besteht die Gefahr, außerakademische Realitäten mitunter ein wenig aus dem Auge zu verlieren. Gelegenheiten, Gelehrsamkeit mit dem Auftrag zur Allgemeinbildung zu verknüpfen, gibt es reichlich;[23] diese werden in der Regel jedoch in Eigeninitiative und zusätzlich zur institutionellen Lehrtätigkeit wahrgenommen.

Lehrpensum

Institutionen unterschiedlichen Typs unterscheiden sich auch in bezug auf das Lehrpensum. Im Prinzip gilt: Je mehr Wert eine Institution auf den wissenschaftlichen Ruf ihrer Fakultät legt, um so weniger Lehrveranstaltungen werden vom Unterrichtenden pro akademischem Jahr verlangt. Je weniger individuelle Forschungsarbeiten und Veröffentlichungen zur erfolgreichen Ausübung eines Lehrstuhls gehören, um so größer ist umgekehrt die Unterrichtsbelastung. An Carnegie Research Institutions[24] muß ein Vollzeit-Lehrender normalerweise vier bis sechs Kurse pro Jahr unterrichten.[25] Je nach Status und Erfahrung des Unterrichtenden richten sich seine Veranstaltungen an Studierende der Bachelor-, Master- oder Promotionsstudiengänge. Je höher die Carnegie-Klassifizierung einer Institution ist, um so eher wird ein hauptamtlicher Professor als Spezialist eingestellt. Je niedriger die Klassifizierung, um so eher ist zu erwarten, daß ein Musiktheoretiker Lehrveranstaltungen verschiedener Fachgebiete anbieten muß.[26] Die Größe einzelner Klassen ist sehr unterschiedlich, sie hängt von der finanziellen Ausstattung, dem Typ der Institution, dem Stundenplan, der Art der Veranstaltung, der pädagogischen Einstellung der zuständigen Beauftragten und etlichen anderen, hier nicht weiter im Detail zu beleuchtenden Faktoren ab.

Das Studium an nordamerikanischen Institutionen ist wesentlich verschulter als an ihren deutschen Pendants: Tägliche Hausaufgaben, wöchentliche Tests, ein bis zwei Prüfungen pro Unterrichtsveranstaltung und Semester oder Aufsätze (zwei oder mehr pro Veranstaltung und Semester) sind die Regel. Ein Teil der zeitaufwendigen Vorbereitungen und Korrekturarbeiten wird allerdings von studentischen ›teaching assistants‹ übernommen.

Zusätzliche Verpflichtungen eines ordentlichen[27] Professors sind regelmäßige Sprechstunden, die Teilnahme an committees aller Art, das Einwerben zukünftiger Studenten sowie Organisation und Besuch fachbezogener Veranstaltungen.

Forschung, kollegialer Austausch und Nachwuchsförderung

Je nach Berufsziel ist individuelle Forschung Karrierevoraussetzung. Produktivitätsdruck wird durch den Lehrplan wie durch die Anforderungen einer erfolgreiche Stellenbewerbung oder die Erlangung eines Rufes[28] ausgeübt. Alle Abschnitte einer wissenschaftlichen Karriere unterliegen genau festgelegten inhaltlichen Richtlinien und zeitlichen Begrenzungen.

Die ehrenamtliche Arbeit in Fachorganisationen und die Teilnahme an professionellen Veranstaltungen und Gremien gelten als wichtige Bestandteile des Berufsbildes. Bei einer Stellenbewerbung werden sie im Lebenslauf unter der Rubrik ›service‹ aufgelistet.

Trotz der unvermeidlichen Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt gehören Kollegialität und gegenseitige Unterstützung zu den Grundwerten. Die Nachwuchsförderung ist im Bewußtsein und in den Strukturen der theory community fest verankert. Studierende und junge Theoretiker(innen) werden ernst genommen und von Anfang an wohlwollend in die Aktivitäten der Theoriegesellschaften einbezogen. Das Netzwerk kollegialer Beziehungen und Freundschaften wird insbesondere am Anfang einer Karriere von der Verbundenheit zur Alma mater geprägt.[29] Der Kommunikation unter Kollegen dienen neben einer Vielzahl von Konferenzen auch die von der Society for Music Theory verwalteten Mailinglisten.[30]

Professionelle Organisationen

Neben der Society for Music Theory existiert in den USA eine Vielzahl regionaler bzw. studentischer Musiktheorie-Organisationen.[31] Sie alle veranstalten in jährlichem Turnus eigene Konferenzen. Dabei wechseln die regionalen und studentischen Konferenzen im Frühjahr mit der nationalen Konferenz der Society for Music Theory (SMT) ab, die regelmäßig Ende Oktober / Anfang November stattfindet. Die Orte der regionalen wie auch der nationalen Konferenzen werden nach geographischen und reiselogistischen Gesichtspunkten ausgewählt: Die SMT-Konferenz rotiert zwischen Ost- und Westküste, dem mittleren Westen und Nord- und Südstaaten, während etwa die regionale Music Theory Society von New York State abwechselnd New York City und ›upstate‹ New York als Veranstaltungsort wählt. Auf nationaler Ebene trifft die SMT alle zwei Jahre mit ihrer Schwestergesellschaft, der American Musicological Society (AMS), zu einer gemeinsamen Konferenz zusammen, innerhalb derer beide Organisationen sowohl unabhängige als auch gemeinsame Sitzungen anbieten. Gemeinsame Konferenzen werden auch auf regionaler Ebene erfolgreich durchgeführt.[32]

4. Ausblick

Welche Relevanz hat die Auseinandersetzung mit nordamerikanischer Musiktheorie für die Entwicklung des Faches im deutschsprachigen Raum? Wie bereits Christoph Wolff (2002) betonte, wäre eine direkte Übertragung amerikanischer Strukturen auf das deutsche Bildungssystem weder möglich noch erstrebenswert. Zu hoffen ist aber, daß der jüngst begonnene Dialog zwischen amerikanischen und deutschen Theoretiker(inne)n auf beiden Seiten zur fruchtbaren Fortentwicklung der Disziplin beiträgt. Aus Gesprächen mit amerikanischen Kollegen sowie den vorliegenden Beiträgen amerikanischer Autoren wird deutlich, daß eine Intensivierung des Kontaktes auch auf amerikanischer Seite begrüßt wird. Es ist daher als positiv zu werten, daß die Vorstände der beiden professionellen Musiktheorieorganisationen diesseits und jenseits des Atlantiks die Förderung des Austausches als wichtige Aufgabe begreifen.

Anhang

1. Die wichtigsten Daten der Society for Music Theory

1977: Gründung. Mitgliederzahl ca. 500.

1979: Erstes Erscheinen der Zeitschrift der SMT, Music Theory Spectrum. Die jährliche Ausgabe erscheint im Frühjahr.

1989: Zehnjähriges Jubiläum der SMT, Sonderheft Music Theory Spectrum, das von nun an im Frühjahr und im Herbst erscheint. Die Mitgliederzahl liegt bei ca. 700.

1993: Gründung von mto (Music Theory Online).

2002: 25jähriges Jubiläum. Galafeier im Rahmen der Konferenz in Columbus, Ohio.

2003: Die Mitgliederzahl liegt bei über 1000.

Mitglied-Kategorie

Indiv. Mitglieder

760

Studenten

281

Institutionen

417

zusammen

1458

Indiv. Mitglieder insges.

1041

Davon

(in %)

weibliche

29.32

männliche

70.68

Verteilung nach Altersgruppen

(in %):

15–25

10,52

26–35

25,71

36–45

29,09

46–55

21,04

56–65

8,57

66–75

4,03

76+

1,04

Verteilung nach Titel oder Stellung

(in%):

Student(in)

33,38

Lecturer(Lehrbeauftragte/r)

Assistant Professor

Associate Professor

Full Professor

Emeritus Professor

Andere

7,22

14,56

18,17

13,14

3,61

9,92

66,62

Tabelle 1: Detaillierte Statistiken für 2003 (vom 2003 SMT Business Meeting)

2. Regionale Musiktheorie-Organisationen[33]

Name

Kürzel

gegr.

Region

Konferenz

Stud.-Preis

Music Theory Society of New York State

MTSNYS

1971

New York State und Umgebung

jährlich, Mitte April

Patricia Carpenter Emerging Scholar Awd.

New England Conference of Music Theorists

NECMT

1985

Maine, New Hampshire, Vermont, Massachusetts, Connecticut, Rhode Island und Umgebung

jährlich, Ende März, Anfang April

Oklahoma Music Theory Round Table

OMTRT

1986

Oklahoma und Umgebung

jährlich

Music Theory Midwest

MTMW

1989

Kentucky, Michigan, Ohio, Illinois, Indiana, Wisconsin, Iowa, Minnesota, Nebraska, North Dakota, South Dakota, Arkansas, Kansas, Missouri, Oklahoma, Tennessee

jährlich, Mitte Mai

Arthur J. Komar Award

South-Central Society for Music Theory

SCSMT

 

Alabama, Arkansas, Kentucky, Louisiana, Mississippi, Missouri, Tennessee

jährlich, Februar

SCSMT Student Award

Texas Society for Music Theory

TSMT

 

Texas

jährlich, Februar

West Coast Conference of Music Theory and Analysis

WCCMTA

1992

British Columbia, Victoria, Oregon, Washington State, California, New Mexico und Umgebung

jährlich, März, April

Best Student Prize

Music Theory Southeast

MTSE

1992

Florida, Georgia, South Carolina, North Carolina, Virginia, West Virginia

jährlich, März,

Best Student Prize

Music Theory Society of the Mid-Atlantic

MTSMA

2003

Delaware, District of Columbia, Kentucky, Maryland, New Jersey, Pennsylvania, Virginia, West Virginia

jährlich, April

Best Student Prize

Tabelle 2: Regionale Musiktheorie-Organisationen

3. Studentenorganisationen – Musiktheorie und andere musikakademische Bereiche (alphabetisch geordnet)

Name

Kürzel

Institution oder Ort

Konferenz

Zeitschrift

The City University of New York Graduate Students in Music

CUNY–GSIM

The City University of New York, New York City

jährlich

Florida State University Music Theory Society

FSU–MTS

Florida State University

jährlich, Frühjahr

ja

Columbia University Graduate Student Conference in Music Scholarship

Columbia University, New York City

jährlich

Graduate Association of Music and Musicians at the University of Texas at Austin

GAMMA–UT

University of Texas at Austin

jährlich

Indiana University Graduate Theory Association

Indiana University, Bloomington

alle zwei Jahre, Februar oder März

Indiana Theory Review

McGill Music Graduate Student Symposium

McGill University, Montreal

jährlich

Midwest Graduate Music Consortium

MGMC

University Of Chicago

jährlich

Pacific NorthWest Graduate Music Students’ Conference

University of Washington

Western Ontario Graduate Student Symposium

Western Ontario

Tabelle 3: Studentenorganisationen – Musiktheorie und andere musikakademische Bereiche (alphabetisch geordnet)

4. Studienabschlüsse laut National Association of Schools of Music

»NASM recognizes two basic types of degrees at the doctoral level: research-oriented degrees and practice-oriented degrees. The Association [NASM] discourages the proliferation of degree titles and urges the use of the most common designations as categorized below:

Research-Oriented Degrees

The basic orientation is scholarly or research activity which makes an original contribution to the field. Programs should recognize that advanced scholarship and research are intensely disciplined efforts and that intuition and creativity are important in the gathering, processing, and interpretation of information.

The program most appropriately culminates in the awarding of the degree, Doctor of Philosophy. It is recognized that some institutions offer research-oriented degrees with other titles.

Practice-Oriented Degrees

The basic orientation is professional practice emphasizing the creation or performance of musical works and the application and transmission of knowledge about musical works, or the practice of music education in the elementary and secondary schools.

The program most often culminates in the awarding of the degrees, Doctor of Musical Arts, Doctor of Music Education or Doctor of Education in Music Education.

A. The Doctorate in Composition

The doctoral degree program in composition stresses creative activity emphasizing the development of a personal aesthetic expressible in sound. Competencies also include a broad knowledge of historical and contemporary compositional practices, music theory, history and criticism, and creative approaches to relationships of these to the compositional process.

B. The Doctorate in Performance

The doctoral degree program in performance emphasizes presentation in a specific performing medium. Performance competence should be at the highest professional level with historical and theoretical knowledge supportive of the development of individualized interpretations. Competencies also include a broad knowledge of repertory and literature. Additional studies in pedagogy are recommended.

C. The Doctorate in Music Theory

The doctoral degree program in music theory emphasizes studies in the organization, language, and grammar of music. Competencies also include a broad knowledge of music history, aesthetics, acoustics, technological means of research, and the ability to clarify issues of musical structure.

D. The Doctorate in Musicology

The doctoral degree program in musicology emphasizes the scholarly study of music and its relationship with other fields. Additional studies are recommended in such areas as aesthetics, social and political history, and psychology. In general, there are three specialized, though not mutually exclusive, emphases, which may be classified as historical musicology, ethnomusicology, and systematic musicology. Competencies include bibliographic, research, and analytical techniques, reading ability in appropriate foreign languages, and writing skills.

E. The Doctorate in Music Education

The doctoral degree program in music education emphasizes the preparation of music administrators, teachers, and researchers who are able to think abstractly, generalize knowledge, carry on research and apply results to their own areas of specialization, and communicate effectively both orally and in written form. The program involves the scholarly study of the philosophical and psychological foundations of music education and the processes of teaching and learning music. Additional studies are recommended in such areas as performance, aesthetics, history of the other arts, anthropology, and sociology.

F. The Doctorate in Sacred Music

The doctoral degree program in sacred music emphasizes the various applications of music and musical studies to religious settings and/or religious thought. Programs vary in their specific objectives and normally include studies to enhance musical and historical perspective, especially with regard to the development of religion and church music practices.«[34]

5. Graduate Studies

Unter www.gmth.de/www/artikel/2005–07–21_08–48–05_7/Graduate_Studieng.docfindet sich eine Übersicht über die Verteilung der in den USA und Kanada angebotenen Graduate-Studiengänge nach Staaten bzw. Provinzen.[35] Diese kann hier aus technischen Gründen nicht abgedruckt werden.

Die Daten basieren auf dem CMS Directory of Music Faculties 2004–2005, das von der College Music Society alle zwei Jahre veröffentlicht wird. Jeder getrennt aufgelistete Studiengang wurde als ein Eintrag gewertet. Die Tabelle ist nach Master- und Promotionsstudiengängen getrennt, wobei Master-Abschlüsse, die auf dem Weg zu Ph.D.-Abschlüssen absolviert werden, nicht getrennt aufgeführt sind. Es ist daher möglich, daß in Staaten, die nur Ph.D.-Studiengänge anbieten, durchaus ein Masterabschluß gemacht werden kann, wobei der Master aber nicht als getrennter Studiengang, sondern als Teil des Ph.D.-Studienganges gezählt wird. In der Mehrheit repräsentiert jeder Eintrag in jeder Kategorie eine Institution, wobei es aber möglich ist, daß eine Institution, die verschiedene Theoriestudiengänge anbietet, mehr als einmal vertreten ist.

Die Tabelle gibt keinen Aufschluß über einzelne Institutionen, vermittelt jedoch einen Eindruck über die regionale Verteilung der Programme und damit die Anzahl der verschiedenen Universitäten, die Musiktheorie-Abschlüsse anbieten. Um spezifischer zu sein, trennt die Tabelle reine Musiktheorie-Studiengänge von Studiengängen, in denen Musiktheorie mit einem anderen Fach kombiniert wird. Diese Trennung bewertet jedoch nicht die Qualität der jeweiligen Studiengänge. Die letzte Spalte addiert dann alle Studiengänge pro Staat oder Provinz und vermittelt damit einen Eindruck von der regionalen Konzentration des Fachs Musiktheorie in den USA und Kanada. Daß hier der Staat New York führend ist, zeugt einerseits von der geschichtlichen Entwicklung, andererseits natürlich von der Anzahl der großen Universitäten in New York City (darunter Columbia, New York University, die Colleges und das Graduate Center der City University of New York) und ›upstate‹ New York (mit der Eastman School of Music und den verschiedenen Campuses der State University of New York wie SUNY Buffalo und SUNY Binghampton.) Leere Felder bedeuten, daß es in diesen Staaten / Provinzen keine Graduate-Studiengänge in Musiktheorie gibt.

Die Tabelle wurde zusammengestellt von Sarah Kuzmak, Ph.D.-Studentin in Musiktheorie an der University of Massachusetts, Amherst.

Anmerkungen

1

Zur Kritik der Anwendung des Begriffs des Universitätssystems auf nordamerikanische Verhältnisse siehe Wolff 2002, 52.

2

In der Regel bedeutet dies höhere Anforderungen in den Bereichen Musikgeschichte, Musiktheorie, Pädagogik und im Bereich allgemeiner wissenschaftlicher Qualifikationen.

3

So sind z. B. Banken eher bereit, für eine akkreditierte Institution einen Studienkredit zu gewährleisten.

4

Die Carnegie Classification of Institutions of Higher Education (The Carnegie Foundation for the Advancement of Teaching, 2001) kann auf der Internetseite der Carnegie Foundation eingesehen werden: www.carnegiefoundation.org/classification/.

5

Die sogenannten ›Comprehensive Exams‹ werden schriftlich und / oder mündlich abgelegt.

6

Mit bestandener Prüfung erfolgt im Ph.D.-Studium das sogenannte Advance to Candidacy, der oder die Doktorand(in) darf sich als Ph.D.-Candidate bezeichnen.

7

Die Angaben in den folgenden Abschnitten beruhen auf den Ergebnissen einer Umfrage des Advisory Committee on Music Theory der College Music Society (CMS) von 2000. Siehe www.music.org/pdf/specs/survey5.pdf.

8

Dies ist insofern notwendig, als viele amerikanische Musikstudenten vom Hintergrund der sogenannten ›marching bands‹ kommen und im Vergleich zu europäischen Studenten nur minimale Grundkenntnisse aufweisen. In Aufnahmeprüfungen ist das Können auf dem Instrument ausschlaggebend; Tests in ›rudiments‹ und Gehörbildung sind, falls sie überhaupt durchgeführt werden, nur diagnostischer Art.

9

Wie Schenkersche Inhalte in das Grundstudium (Undergraduate Curriculum) inkorporiert werden können, beschreibt John Rothgebs Artikel »Schenkerian Theory: Its Implications for the Undergraduate Curriculum«, Music Theory Spectrum 3 (1981), 142149.

10

Manche Hochschulen trennen Blattsingen und Notendiktat, manche unterrichten beides im selben Kurs.

11

Daraus ließe sich schließen, daß sich die Gehörbildungskurse zweimal pro Woche treffen. An meiner eigenen Institution (University of Massachusetts) zählt Gehörbildung zwar nur ein credit pro Semester, die Studenten haben aber drei oder fünf Wochenstunden Gehörbildung (je nachdem, in welche Leistungsgruppe sie zu Studienbeginn eingestuft werden).

12

Siehe den folgenden Abschnitt.

13

Die entsprechenden Abschnitte des NASM-Handbuches sind im Anhang wiedergegeben.

14

Die Informationen beruhen auf den über Internetseiten erhältlichen Curricula und Studienrichtlinien der folgenden Institutionen: Harvard, Yale, University of Chicago, The City University of New York Graduate Center, Indiana University und Eastman School of Music.

15

Eine kritische Diskussion der Theoriestudiengänge vom Jahre 1995 (als Excel-Datei [sthmus.xls] zum Download bereitgestellt) findet sich auf David Fentons Webseite: http://www.bway.net/~dfenton/nrc_report/nrcintro.html.

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2004–5, die Daten wurden vermutlich 2003 erhoben.

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Eine nach Staaten unterteilte Tabelle der Musiktheorie-Studiengänge befindet sich im Anhang; für ihre Zusammenstellung nach den CMS Daten bedanke ich mich bei Sarah Kuzmak, Ph.D.-Studentin in Musiktheorie an der University of Massachusetts, Amherst.

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Der in den 30er Jahren von einem Sportreporter erfundene Begriff ›Ivy League‹ wurde 1954 zum Namen einer College-Football-Liga von acht im Nordosten der USA gelegenen Eliteuniversitäten. Diese acht altehrwürdigen bildlich: von Efeu (ivy) überwachsenen Universitäten haben bis heute ihren ausgezeichneten Ruf beibehalten. Es handelt sich um die Brown University (Providence, Rhode Island), Columbia University (New York City), Cornell University (New York State), Dartmouth College (New Hampshire), Harvard University (Boston, Massachusetts), University of Pennsylvania (Philadelphia), Princeton University (New Jersey) und Yale University (New Haven, Connecticut). Umgangssprachlich wird ›Ivy League‹ als Synonym für akademische Elite gelegentlich auch auf andere Institutionen angewendet.

19

Pro Jahr werden nur wenige Graduate Students aufgenommen, in Musiktheorie oft nur ein einziger.

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Das Center for the History of Music Theory and Literature beherbergt Datenbanken mit historischen musiktheoretischen Texten und Traktaten. Für Interessierte lohnt sich ein Besuch auf der Internetseite: http://www.music.indiana.edu/chmtl/.

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Zugleich wurden viele Komponisten von ihren Theoriestellen verdrängt. An konservativ eingestellten Institutionen kann es deshalb auch noch heute zu Spannungen zwischen Komponisten und Theoretikern kommen. Zu den erfolgreichen nordamerikanischen Theoretikern gehören freilich auch Komponisten wie Robert Morris von der Eastman School of Music, die beide Fächer unterrichten.

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Die Aktualität des Lehrangebotes und das Ausmaß der individuellen Betreuung der Studierenden hängen stark von der jeweiligen Institution und deren Fakultäten ab.

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Etwa in Form öffentlicher Vorträge bei Konzertveranstaltungen oder Fortbildungsveranstaltungen aller Art.

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Dabei handelt es sich um Universitäten, deren Schwerpunkt auf Ph.D.-Studiengängen und Forschung liegt. Vgl. Abschnitt 3.

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Drei Kurse pro Semester sind die Norm für Vollzeit-Lehrbeauftragte (Lecturer und ähnliche Titel), zwei Kurse pro Semester sind in der Regel ordentlichen Professoren (Tenured Associate Professors) vorbehalten.

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Ein Musiktheoretiker auf Jobsuche kann normalerweise solche Stellen an der beinahe willkürlichen Zusammenstellung der verlangten oder bevorzugten Qualifikationen in der Stellenausschreibung identifizieren. Beispielsweise sucht ein College da einen Musiktheoretiker, der Oboe und Klavier unterrichten, den Chor dirigieren, das elektronische Studio betreuen und außerdem Vorlesungen in Musikgeschichte und Weltmusik halten kann.

27

Das System der ›Tenure‹ entspricht in etwa dem der Ordinariate. Näheres unter http://www.aaup.org/Legal/info%20outlines/legtenur.htm.

28

S.o., Fußnote 27.

29

So gibt es zum Beispiel während der jährlichen SMT-Konferenz immer für derzeitige und ehemalige Studenten und Professoren aller bekannte Ph.D.-Studiengänge Partys (›Eastman Party‹, ›Columbia Party‹, ›CUNY Party‹ usw).

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Mit Hilfe der Mailinglisten werden nicht nur fachliche Diskussionen geführt oder Nachrichten an alle Mitglieder gesendet, sie dienen auch als Medium für Anfragen aller Art. Prompte, informative, großzügige und freundliche Antworten sind zumindest meiner Erfahrung nach die Regel. Es ist z. B. nicht ungewöhnlich, daß auf Fragen zu Lehrinhalten in einem bestimmten Bereich großzügig ganze Lehrpläne und Bibliographien kollegial geteilt werden.

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Siehe Anhang, Tabelle Nr. 3. Die oft themengebundenen studentischen Konferenzen schließen meist alle musikakademischen Fächer mit ein.

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Zum Beispiel 2002 zwischen NECMT und MTSNYS an der Yale University.

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Für weitere Informationen siehe http://www.societymusictheory.org/index.php?pid=141.

34

Aus: National Association of Schools of Music Handbook 2004–2005, National Association of Schools of Music, Virginia 2005, 97–98. Als pdf auf: http://nasm.arts-accredit.org/index.jsp?page=Books.

35

Die Tabellen wurden zusammengestellt von Sarah Kuzmak, Ph.D.-Studentin in Musiktheorie an der University of Massachusetts, Amherst.

Literatur

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McCreless, Patrick (1996), »Contemporary Music Theory and the New Musicology: An Introduction«, Music Theory Online 2. http://www.societymusictheory.org/mto/ issues/mto.96.2.2/mto.96.2.2.mccreless.html.

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 / Carl Schachter (1969), Counterpoint in Composition, New York: Columbia University Press.

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