Moßburger, Hubert (2003/05): Editorial. ZGMTH 1–2/2/1
veröffentlicht / first published: 01/01/2005
zuletzt geändert / last updated: 21/08/2009

Editorial

Die vorliegende zweite Ausgabe der ZGMTH beinhaltet vier Artikel und einige Beiträge zur letzten Umfrage. Der Beitrag von Felix Diergarten rückt die heute nicht mehr beachtete Harmonielehre von Johannes Schreyer ins Bewußtsein, einem Theoretiker, der die Riemannsche Lehre zu einem praktischen Lehrgang umformte, sich dabei auf reformpädagogische Ideen stützte und damit an Grundfragen der musik- bzw. kulturtheoretischen Diskussion um 1900 rührte. Hartmut Fladt weist in seinem Beitrag »Analyse und Interpretation. Anmerkungen/Anregungen« auf populäre Irrtümer und produktive Mißverständnisse hin. Er plädiert anhand zahlreicher Beispiele für ein umfassenderes Verstehen von Musik, das sich weg von der ersten, spontanen Unmittelbarkeit der musikalischen Perzeption hin zu einer »zweiten Unmittelbarkeit« (Hegel) bewegt, die durch Wissen und Erkenntnis hindurchgegangen ist. Ariane Jeßulat verfolgt Mendelssohns Beethoven-Rezeption als Beispiel musikalischer Zitiertechnik. Die Frage, wo und wie Mendelssohn Beethovens späte Quartette eigenem musikalischem Denken anverwandelt hat, führt dabei weiter als eine Untersuchung lediglich am Maß kompositorischer Eigenständigkeit des (jungen) Mendelssohn. Nils Schweckendiek analysiert die erste Sinfonie des Schönbergschülers Roberto Gerhard (1896–1970) unter den Aspekten der Dodekaphonik, der Form und Logik, der Ostinati, der musikalischen Gestalten, der tonalen und modalen Einflüsse und gibt am Schluß seines Beitrags eine Deutung der keineswegs programmatischen Sinfonie.

Hubert Moßburger