GMTH

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(Frist verlängert bis: 25.5.2018)

Auch als pdf-Version verfügbar.

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Kontrapunkt ‒ ewiggestrig oder unerlässlich?

Kontinuitäten und Wandlungen einer kompositorischen Disziplin

5.- 7. Oktober 2018 (Fr-So)
Hochschule für Künste Bremen

Kongressleitung:
Florian Edler
Andreas Gürsching

Dass erstmalig ein bestimmtes Teilgebiet der Musiktheorie Gegenstand eines GMTH-Kongresses wird, verdankt sich nicht zuletzt einem neu erwachten verbreiteten Interesse am Kontrapunkt. Dieser ist als Unterrichtsfach an vielen Musikhochschulen in übergreifende Veranstaltungen wie ›Musiktheorie‹ oder ›Satzlehre‹ integriert und wird vergleichsweise selten noch als eigenständiges Fach gelehrt. Der Begriff ist gleichwohl aus dem Fachdiskurs nicht wegzudenken und rückte in den vergangenen Jahrzehnten in dem Maße in den Blickpunkt, wie bei der Auseinandersetzung mit tonaler Musik die Fokussierung auf Harmonik relativiert wurde. Die Aktualität von Kontrapunkt spiegeln nicht zuletzt jüngere Lehrbücher, die den Begriff im Titel führen, ihn aber in unterschiedlichen stilistischen Kontexten beleuchten. Die Intention des Kongresses ist, sowohl Einblicke in möglichst viele mit Kontrapunkt zusammenhängende analytische, methodische und historische Aspekte zu gewinnen als auch hinsichtlich der Zielrichtung und Auffassung des Lehrgebiets eine Standortbestimmung vorzunehmen.

In drei thematischen Sektionen und einer freien Sektion werden diese Ziele verfolgt:


Sektion 1: Systematisch-methodische Implikationen der Kontrapunktlehre

Keynote: Peter Schubert (Montreal)

Eine Annäherung an das Thema kann über Definitionen, Ab- und Eingrenzungen des Lehrgebiets wie auch der kompositorischen Kategorie ›Kontrapunkt‹ erfolgen. Probleme und Vorzüge einer Trennung von Lehrgebieten sind ebenso zu beleuchten wie die Fragen, ob der Rekurs auf historische Satzmodelle einen Ersatz für traditionelle musiktheoretische Teilfächer bietet und inwieweit die tradierte Disziplin in spezifischen Ansätzen des 20. Jahrhunderts (z.B. Schichtenlehre Heinrich Schenkers, Tonfeldanalyse, Pitch-class set theory) ›aufgehoben‹ sein könnte. Mit solchen systematischen Klärungen hängt die Beschäftigung mit Ansätzen und Problemen der Vermittlung eng zusammen. Die Relevanz von Kontrapunkt für die Ausbildung ist ebenso zu hinterfragen wie seine Verankerung im Hochschul-Curriculum. Die Alternative zwischen den beiden Zielen der Vermittlung entweder von Charakteristika bestimmter Stile oder von elementaren Phänomenen westlicher Musik berührt die Frage nach einer eher historischen oder systematischen Ausrichtung. In dieser Sektion soll es außerdem um methodische Einzelaspekte gehen wie z.B. die Improvisation, das Singen oder den Einsatz elektronischer Medien im Kontrapunkt-Unterricht.

Vorschläge für Themenfelder:

  • Kontrapunkt und Polyphonie
  • Kontrapunkt als Teildisziplin der Musiktheorie
  • Kontrapunkt und Harmonik als Instanzen der musikalischen Analyse
  • Fugenlehre
  • Kanonprinzipien
  • Doppelter Kontrapunkt
  • Kontrapunkt im Schul- und Hochschulunterricht
  • Methoden der Vermittlung des Kontrapunkts
  • Aktualität des ›Fachs‹
  • Welche Stile gelten ‒ mit welchem Recht ‒ als kontrapunktisch?


Sektion 2: Historische, gesellschaftliche und ästhetische Kontexte

Keynote: Dörte Schmidt (Berlin)

Hierzu zählt die Beschäftigung mit der Geschichte der Kontrapunktlehre. Inhalte und Probleme einzelner Lehrwerke sind ebenso zu thematisieren wie Kontinuitäten, Paradigmenwechsel und Kontroversen, wie sie sich aus dem Vergleich verschiedener Quellen rekonstruieren lassen. Auch sozial- und kulturgeschichtliche Aspekte können einbezogen werden: Aus welchen Motiven heraus und unter welchen Rahmenbedingungen haben einzelne Persönlichkeiten die Entwicklung des Fachs mitgeprägt, welche Institutionen verbinden sich mit bestimmten Lehrtraditionen, und welche länderspezifischen Differenzen bestehen hinsichtlich der Inhalte und deren Vermittlung? In ästhetischer Hinsicht wäre der Stellenwert von Kontrapunkt in diversen Epochen zu betrachten. Beispiele sind Motive der Rückbesinnung auf den ›Palestrina-Stil‹ (vor und) seit Johann Joseph Fux, die problematische Nähe des Fachs zum Akademismus im 19. Jahrhundert, die Bedeutung(en) der Disziplin für so unterschiedliche Erscheinungen wie die Philosophie der neuen Musik der 1950er/60er Jahre und die historisch informierte Aufführungspraxis. Denkbar sind auch Beiträge über die Reflexion kontrapunktbezogener Debatten in der Publizistik sowie in Werken musikaffiner Literaten wie E.T.A. Hoffmann oder Thomas Mann.

Vorschläge für Themenfelder:

  • Geschichte der Kontrapunktlehre
  • Die Methode von J.J. Fux und ihre Nachwirkungen
  • Die Rezeption J.S. Bachs als Kontrapunktiker
  • Cäcilianismus
  • Fugenästhetik im 19. Jahrhundert
  • Kontrapunkt im Umfeld einer sich auflösenden Dur-Moll-Tonalität
  • Stellenwert von Kontrapunktik im Denken gegenwärtiger KomponistInnen


Sektion 3: Kontrapunkt in der Komposition

Keynote: Cornelius Schwehr (Freiburg)

Ein Gegenstand dieser Sektion sind Interdependenzen zwischen Kompositionspraxis und Kontrapunktlehre, wie sie seit deren mittelalterlichen Ursprüngen bestehen. Mit Blick auf die Zeit seit dem 18. Jahrhundert lässt sich beispielsweise die Vorstellung von Kontrapunkt als Inbegriff einer verbindlichen Handwerkslehre und Grundlage kompositorischer Meisterschaft ergründen. Ob und inwieweit polyphone Arbeit ein hohes kompositorisches Niveau verbürgt, wäre in analytischen Studien auszuloten. Die Neubesinnung auf Kontrapunkt im 20. und 21. Jahrhundert kann gleichermaßen als Ausgangspunkt historistischer Reinterpretation wie auch für erklärtermaßen progressive Musikrichtungen untersucht werden. Zudem ist von Interesse, inwieweit polyphone Verfahren, Satzmodelle und Klanglichkeit in populäre Musikformen Eingang finden und in diesen weiterentwickelt werden. Über solche Anregungen hinaus sind generell werkanalytisch ausgerichtete Beiträge, die sich mit Aspekten des Generalthemas auseinandersetzen, für diese Sektion willkommen.

Vorschläge für Themenfelder:

  • Techniken der Cantus-firmus-Bearbeitung
  • Kanon-Künste
  • Musik bis um 1600
  • Kontrapunkt im Zeitalter des Barock
  • Kontrapunkt versus galanter Stil
  • Kontrapunkt und Kontrapunkt-Rezeption seit dem 19. Jahrhundert
  • Kontrapunkt und Klassizität
  • Kontrapunkt und Popularmusik
  • Kontrapunkt und elektronische Musik


Sektion 4: Freie Sektion

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Formate

Einzelvorträge = 30 Min. Vortrag + 30 Min. Diskussion oder 20 Min. Vortrag + 10 Min. Diskussion. Das bevorzugte Format muss bei Einreichung des Abstracts angegeben werden; eine Zuteilung zum gewünschten Format kann nicht garantiert werden.
Panels = 90 Min. oder 120 Min. (konzipiert als Folge von Vorträgen variabler Länge mit oder ohne Podiumsdiskussion). Ein Panel wird nur im Falle einer positiven Bewertung aller beteiligten Abstracts für das Kongressprogramm ausgewählt.
Buchpräsentationen = 30 Min. inkl. Diskussion (Rahmenprogramm)
Workshops (Rahmenprogramm) ‒ nach Absprache; Vorschläge bitte direkt an die Kongressleitung


Einreichung

Einzelvorträge
‒ Abstracts (max. 2.000 Zeichen inkl. Leerzeichen)
‒ biographische Angaben zur Autorin/zum Autor des Abstracts (max. 1.000 Zeichen inkl. Leerzeichen)

Panels
‒ zusammenfassende inhaltliche Darstellung mit Titeln aller Beiträge und Zeitplan [vom Leiter/von der Leiterin des Panels einzureichen] (max. 2.000 Zeichen inkl. Leerzeichen)
‒ biographische Angaben des Leiters/der Leiterin des Panels (max. 1.000 Zeichen inkl. Leerzeichen)
‒ Abstracts jedes einzelnen Beitrags des Panels (pro Beitrag max. 2.000 Zeichen inkl. Leerzeichen) [separat von der Autorin/dem Autor des Abstracts mit Verweis auf das Panel einzureichen]
‒ biographische Angaben jeder Autorin/jedes Autors (je max. 1.000 Zeichen) [separat von der Autorin/dem Autor des Abstracts mit Verweis auf das Panel einzureichen]

Wer als Leiter/Leiterin eines Panels andere zur Teilnahme an seinem Panel einladen möchte, kann dies ‒ möglichst frühzeitig ‒ über den Newsletter der GMTH tun.

Konferenzsprachen und Sprachen der Abstracts sind Deutsch und Englisch.

Alle Bewerbungen sind bis zum 25. Mai 2018 einzureichen unter http://www.gmth.de/veranstaltungen/jahreskongress/beitragsanmeldung.aspx

Rückfragen zu Einreichungen richten Sie bitte an Florian Edler unter der E-Mail-Adresse: f.edler@hfk-bremen.de

Kongresswebseite: http://www.gmth.de/veranstaltungen/jahreskongress.aspx

Die Auswahl der Beiträge erfolgt mittels eines anonymisierten Verfahrens (double-blind peer review). Eine Verständigung erfolgt bis spätestens 15. Juli 2018.

Gesellschaft für Musiktheorie: http://www.gmth.de