GMTH

Musiktheoretische Gesellschaften international

Die GMTH pflegt den Kontakt zu anderen Gesellschaften für Musiktheorie bzw. für musikalische Analyse. Durch gegenseitige Einladungen, gegebenenfalls auch gemeinsame Konferenzen und mehrsprachige Publikationen wird über Sprachgrenzen hinweg der fachliche Austausch befördert.


Calls und Programme von Konferenzen bzw. Tagungen dieser Gesellschaften finden Sie hier


Europäische Gesellschaften

Gruppo analisi e teoria musicale

Der GATM wurde 1989 als Assoziation fünf musikologischer Gesellschaften gegründet und 2002 in eine Gesellschaft mit eigenem Namen überführt. Er setzt sich zum Ziel, in Italien neues analytisches und theoretisches Wissen im Bereich der Musik zu fördern und bekannt zu machen. Die jedem Interessierten offen stehende Mitgliedschaft beinhaltet das Abonnement der Zeitschrift der Gesellschaft, der Rivista di Analisi e Teoria Musicale, und die Möglichkeit der persönlichen Beteiligung an der Organisation der Aktivitäten des GATM. Informationen über Aktivitäten und Veröffentlichungen der Gesellschaft finden Sie auf der Website des GATM.
Präsident des GATM ist Egidio Pozzi; zur Leitung zählen zudem Catello Galotti (Vizepräsident) und Giuseppe Sellari (Sekretär). Die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats gehören der Gesellschaft als Einzelpersonen wie auch als Vertreter ihrer Gründungsgesellschaften an. Es handelt sich um: Mario Baroni, Giuseppe Sellari (Vertreter des SIEM), Luca Marconi (IASPM), Rossana Dalmonte, Guido Salvetti (SIDM), Susanna Pasticci, Egidio Pozzi, Giorgio Sanguinetti, Catello Galotti, Antonio Cascelli, Alessandro Bratus, Marco Lutzu, Antonio Grande.
Der GATM veröffentlich bei LIM (Libreria Musicale Italiana, Lucca) die zweimal jährlich erscheinenden Hefte seiner Zeitschrift Rivista di Analisi e Teorie Musicale (mit italienischen, englischen, französischen, deutschen Artikeln und jeweils englischen und italienischen Abstracts) sowie eine Handbuchreihe für Universitäten und Konservatorien (Manuali d’analisi e teoria musicale). Im selben Verlag und in Kooperation mit der Società Italiana di Musicologia veröffentlicht der GATM auch die Reihe Repertori Musicali. Storia, Analisi, Interpretazione. Darüber hinaus arbeitet er mit der online-Zeitschrift Analitica. Online Journal of Musical Studies zusammen, die englische/italienische Artikel sowie Buchsprechungen enthält. Der GATM organisiert jährlich eine Konferenz, den Convegno di Analisi e Teoria Musicale.

Aktuelles:
Das Inhaltsverzeichnis der letzten beiden Hefte der Zeitschrift RATM (Rivista di Analisi e Teoria Musicale) und die (engl. und ital.) Abstracts der Einzelbeiträge finden Sie hier.

Polskie Towarzystwo Analizy Muzycznej (PTAM)

Gegründet wurde die Polnische Gesellschaft für musikalische Analyse am 28. Februar 2015. Die Gründungsmitglieder wählten in einer Generalversammlung folgenden Vorstand:

• Sławomira Żerańska-Kominek (Präsidentin)
• Iwona Lindstedt (Vizepräsidentin)
• Małgorzata Gamrat (Schriftführerin).

Die Gründungsveranstaltung der neuen Gesellschaft bestand in einem Symposium zum Thema "Chopins b-Moll-Sonate op. 35. Die Geheimnisse des Finales". Das Symposium fand am 13. Juni 2015 am Musikologischen Institut der Universität Warschau statt. Die nächste Konferenz, ebendort am 25. und 26. September 2015, ist dem Thema "Die musikalische Sprache zeitgenössischer polnischer Komponisten – Selbstreflexionen" gewidmet.

Sławomira Żerańska-Kominek, im August 2015


Hrvatsko društvo glazbenih teoretičara (Kroatien)

Die kroatische Gesellschaft für Musiktheorie wurde 1997 von Tihomir Petrovic gegründet. Er ist bis heute ihr Präsident. Unterstützt wird er in der Leitung der Gesellschaft insbesondere von dem Musikologen Niksa Gligo. Der kroatischen Gesellschaft gehören circa 400 Mitglieder an. Die meisten von ihnen lehren Musiktheorie oder –geschichte an Musikspezialschulen für Schüler aller Klassenstufen sowie an allgemeinbildenden Schulen. Ziele der Gesellschaft sind die Förderung der Musiktheorie, die Erneuerung der musiktheoretischen Lehrpraxis sowie die Unterstützung künstlerisch-pädagogischer Projekte, die in irgendeiner Weise auf die musiktheoretische Lehre bezogen sind.

Die kroatische Gesellschaft für Musiktheorie gibt das jährlich im September in einer Auflage von 2500 Stück erscheinende Magazin THEORIA heraus. Es wird an die Mitglieder der Gesellschaft, an sämtliche Musikschulen und an die Musikakademien Kroatiens ausgeliefert, ebenso an alle allgemeinbildenden Schulen und die Spezialmusikschulen. Das Magazin bietet ein breites Spektrum an Beiträgen:

  • zur musikalischen Erziehung: sowohl zu Fragen der frühen musikalischen Bildung als auch der musiktheoretischen Hochschuldidaktik,
  • zu Themen aus dem Bereich der musiktheoretischen Forschung, und zwar in den verschiedensten Diziplinen (Solfège, Harmonie, Kontrapunkt, Analyse, Musikalische Formenlehre etc.), reichend von alter Musik bis zur aktuellen kompositorischen Praxis und der Popularmusik,
  • Diskussionen der musikalischen Terminologie,
  • Nachdrucke historischer Quellentexte zur kroatischen Musiktheorie,
  • Auseinandersetzung mit Nachbardiziplinen (Musikgeschichte, Instrumentenkunde, Aufführungspraxis, Musikalische Symbolkunde etc.),
  • Rezensionen, Diskographien, aktuelle Informationen aus dem Musikleben, literarische Essays von befreundeten Musikern etc.

Die meisten Autoren des Magazins sind Kroaten, doch werden auch Übersetzungen fremdsprachiger Texte publiziert (u.a. von unserem Mitglied Ludwig Holtmeier, in: THEORIA Nr. 3, 2001). Daneben publiziert die kroatische Gesellschaft für Musiktheorie auch Bücher. Darunter sind zehn von Mitgliedern der Gesellschaft verfasste Schulbücher zum Musikunterricht in der Primar- und Sekundarstufe in Gebieten wie Solfège, Harmonielehre, Kontrapunkt und der Formenanalyse. Aber auch eine Studie wie die von Sanja Kis Zuvela über den Goldenen Schnitt und die Fibonaccireihe in der Musik des 20. Jahrhunderts ist hier zu nennen. 2011 hat die kroatische Gesellschaft für Musiktheorie mit einem Album von Vladimir Bodegrajac auch CDs zu publizieren begonnen.

Seit 2005 existieren die alljährlich zwischen September bis November stattfinden Kroatischen Tage der Musiktheorie: Präsentationen und Vorträgen in mehreren kroatischen Städten schließt sich jeweils ein großes Treffen in Zagreb an, zu dem sämtliche kroatischen Musiktheoretikerinnen und Musiktheoretiker geladen sind, außerdem regelmäßig auch auswärtige Kolleginnen und Kollegen.


Общества теории музыки (Russland)
Die russische Gesellschaft für Musiktheorie (Obščestvo teorii muzyki) wurde 2011 gegründet. Ihr Ziel ist die Förderung musiktheoretischer Forschung und Lehre sowie die Verbreitung musiktheoretischer Kenntnisse. Die Gesellschaft ist bemüht, den Dialog zwischen russischen und westlichen Forschern ebenso wie den interdisziplinären Austausch zu verbessern. Unter ihren Mitgliedern sind Angehörige der russischen Konservatorien (in Russland existieren knapp fünfzig hochschulische Bildungseinrichtungen mit Studienzweigen in musikalischer Aufführung, Musikwissenschaft einschließlich Musiktheorie, Komposition etc.), aber auch Mitarbeiter von Forschungsinstituten in Moskau und St. Petersburg (Staatliches Institut für die Erforschung der Künste, Russisches Institut für die Geschichte der Künste). Unter den musiktheoretischen Zentren sind an erster Stelle die Moskauer Bildungseinrichtungen mit dem Staatlichen Čajkovskij-Konservatorium sowie das Staatliche Rimskij-Korsakov-Konservatorium in St. Petersburg, die älteste Musikhochschule des Landes, zu nennen.

Zu den Gründungsvätern der russischen Musiktheorie zählen u. a. Sergej Taneev, Nikolaj Rimskij-Korsakov, Boleslav Javorskij und Boris Asaf’ev. Während der Sowjetzeit lagen die Arbeitsfeldern in folgenden Bereichen: Modi und Tonalität (Jurij Tjulin, Jurij Cholopov), Harmonielehre (Igor Sposobin, Jurij Cholopov), klassische Formenlehre (Igor Sposobin, Evgenij Nazajkinskij, Jurij Cholopov, Valentina Cholopova), musikalische Analyse (Viktor Cukkerman, Lev Mazel’, Valentina Cholopova, Evgenij Nazajkinskij, Vjačeslav Meduševskij), Polyphonie (Vladimir Protopopov, Christofor Kušnarev, Semjon Bogatyrev, Julija Evdokimova), musikalische Semiotik (Mark Aronovskij), Motivik (Viktor Bobrovskij, Elena Ruč’evskaja), Gattungstheorie (Arnol’d Sochor), Rhythmik (Valentina Cholopova) und Textur (Jurij Tjulin). Diese russischen Theoretikerinnen und Theoretiker setzten sich mit den wichtigsten Ansätzen ihrer Zeit auseinander (darunter Hugo Riemanns Funktionstheorie, Ernst Kurths Musikphilosophie und Boris Asaf’evs Intonationstheorie). Nach der Perestrojka wandten sich russische Theoretiker in der Forschung der beiden letzten Jahrzehnte auch strukturalistischen und poststrukturalistischen Methoden, der Hermeneutik, der Zeichentheorie und der pc-set-Theorie zu.

Die Russische Gesellschaft für Musiktheorie gibt ein Online-Journal heraus, das auch in englischer Sprache vorliegt.

Dem Vorstand der Gesellschaft gehören an: Aleksandr Sokolov (Präsident), Elena Tokun (Sekretärin/Geschäftsführerin), Konstantin Zenkin (Verwaltung und Haushalt) sowie Aleksandr Maklygin, Ol’ga Loseva, Viktor Ekimovskij, Elena Titova, Tat’jana Caregradskaja, Aleksej Panov und Elena Žurova. Dem wissenschaftlichen Beirat gehören u. a. an: Valentina Cholopova (Vorsitzende) und Il’dar Channanov (Stellvertreter)




Société Belge d'Analyse Musicale
Die belgische Gesellschaft für Musikanalyse (SBAM) wurde 1989 gegründet, um ihren Mitgliedern die Teilnahme an der ersten Europäischen Konferenz für Musikanalyse in Colmar zu ermöglichen. Sie wirkte seither an der Organisation aller europäischen Kongresse (EuroMAC) mit und nahm an jedem davon teil.
Ihr Ziel ist es, die Praxis der Musikanalyse in all ihren Formen zu fördern, insbesondere durch die Organisation oder Unterstützung von Vorträgen, Symposien, Konferenzen und Konzerten; durch die Veröffentlichung oder Unterstützung von Büchern oder Zeitschriften, die die Musikanalyse betreffen; durch das Zusammenbringen von Praktikern und Theoretikern der musikalischen Analyse und die Förderung der Kontakte unter ihnen.
Die SBAM veranstaltet alle zwei Jahre eine Biennale der musikalischen Analyse und bietet eine Reihe von Vorträgen und Konzerten für die Musikschulen und kulturellen Einrichtungen der belgischen französischsprachigen Gemeinschaft an.

Société Française d'Analyse Musicale
Die Vertretungen der französischen und der deutschsprachigen Musiktheoretiker und Analytiker streben an, die Sprache der jeweils anderen Gesellschaft als dritte Arbeitssprache bei ihren Tagungen und Kongressen einzuführen.

Society for Music Analysis
Die Society for Music Analysis (SMA) hat ihren Sitz im Vereinigten Königreich. Unter ihrer Ägide erscheint das Journal Music Analysis. Die SMA unterstützt und organisiert verschiedene Veranstaltungen (siehe programme of events ), darunter eine jährlich stattfindende Konferenz für Graduate Students der Fächer Theorie und Analyse (TAGS), Sommerkurse (mit geladenen internationalen Experten) sowie Symposien und weitere Konferenzen zur musikalischen Analyse. Die SMA ist offen gegenüber sämtlichen musikalischen Kulturen und Repertoire, sie fördert Musiktheorie und Analyse in Forschung und Lehre in einem übergreifenden Sinne: Eingeschlossen sind auch Ansätze wie der Strukturalismus und die Kritische Theorie, die Bereiche Ästhetik, Semiotik, Musikpsychologie, Kognitionswissenschaft, musikalische Technologie sowie andere Teil- und Zwischendisziplinen. Die SMA versorgt ihre Mitgliedern regelmäßig mit aktuellen Informationen, darunter einem Jahrespaket zu ausgewählten Ereignissen. Studierenden werden Diskussionsforen und spezielle Fördermöglichkeiten geboten.

Vereniging voor Muziektheorie
Die Holländisch-Flämische Gesellschaft für Musiktheorie wurde im Februar 1999 gegründet. Ihre Ziele sind im Einzelnen:
  1. Sie möchte die im weitesten Sinne musiktheoretische Forschung anregen, und zwar sowohl innerhalb wie auch außerhalb der holländisch- und flämischsprachigen Gebiete. Diesem Ziel dienen unter anderem von ihr organisierte Jahrestreffen, internationale Konferenzen, Seminare, Studientage und Workshops. Zudem unterstützt die VvM neben anderen Institutionen aus den Niederlanden und Flandern ein alljährliches „Musiktheoretiker in Residence“-Programm, sie fördert die Teilnahme junger Theoretiker an überregionalen Tagungen und sie arbeitet eng mit dem Journal Music Theory and Analysis (MTA, früher Dutch Journal of Music Theory) zusammen. Außerdem ist die VvM bestrebt, den Austausch mit ihren europäischen Schwestergesellschaften und mit der nordamerikanischen Society for Music Theory zu stärken.

  2. Die VvM bringt die Interessen der Fachvertreter in die Curricula der Fächer Musiktheorie und Analyse an holländischen und flämischen Konservatorien und Universitäten ein und setzt sich dafür ein, dass deren strukturelle und pädagogische Aspekte überdacht werden.

  3. Die VvM möchte den Kontakt zu Vertretern umliegender musikalischer Tätigkeitsfelder verbessern, beispielsweise zu Musikwissenschaftlern, Komponisten und ausübenden Musikern.

John Koslovsky, Präsident der VvM, Juli 2015


Außereuropäische Gesellschaften

Israeli Music Theory Forum (IMTF)

Das Israeli Music Theory Forum (IMTF) wurde im Jahr 2012 von Mitgliedern der Israel Musicological Society (IMS) gegründet mit dem Ziel, musiktheoretische Forschungsinteressen und den fachlichen Austausch voranzutreiben. Das Forum agiert unter der Schirmherrschaft der IMS und organisiert unter anderen Aktivitäten Studientage zu bestimmten musiktheoretischen Themen sowie vororganisierte Sessions innerhalb von IMS-Tagungen. Die Mitglieder des Forums sind aktiv als Musiktheoretiker, Musikwissenschaftler, Musiktheorielehrer an Forschungsuniversitäten und Musikhochschulen in Israel und im Ausland sowie als unabhängige Wissenschaftler; sie veröffentlichen und präsentieren über diverse musiktheoretische Themen im Inland und international. Das Forum führt auch einen eigenen Blog (auf Hebräisch): http://israelmusictheory.wordpress.com.
Über folgenden Link gelangen Sie zur IMTF-Seite mit weiterer Verlinkung zu einer Auflistung der aktiven Forscher im PDF-Format: http://www.israel-musicological-society.org/music-theory


Society for Music Theory

Die Society for Music Theory (SMT) setzt sich für Musiktheorie sowohl als wissenschaftliches wie auch als pädagogisches Fach ein. Sie hat ungefähr 1200 Mitglieder weltweit, deren Forschungsinteressen sich über ein weites und ständig wachsendes Gebiet erstrecken. Die Society spielt eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Fachdisziplin, indem sie Mitgliedern in allen Stadien ihrer Laufbahn zahlreiche Möglichkeiten zur Beteiligung bietet. Jährliche Tagungen (jedes zweite Jahr gemeinsam mit der American Musicological Society, gelegentlich auch mit der Society for Ethnomusicology) bieten Mitgliedern die Gelegenheit, Referate zu halten und zu hören, sich an von Experten geleiteten Workshops zu beteiligen und Musiktheoretiker aus aller Welt kennen zu lernen. Die Society gibt zwei wichtige Zeitschriften heraus—Music Theory Spectrum (in gedruckter Version wie auch online) und Music Theory Online (die weltweit erste Online-Zeitschrift für Musiktheorie). Letztere Zeitschrift ist ohne Abonnement zugänglich; Music Theory Spectrum ist für Mitglieder kostenlos erhältlich. Zweimal im Jahr erscheint der Newsletter der Society (auf der Homepage anklickbar), in dem Neuigkeiten aus der Society wie auch aus anderen relevanten Gesellschaften bekannt gegeben werden. Diskussionen über musiktheoretische Themen werden auf "smt-talk" geführt; durch "smt-announce" werden Bekanntmachungen an die Mitglieder gesandt. Zahlreiche Interest Groups unterstützen Diskussionen über bestimmte Teilgebiete. Für Studenten bietet die Society während der jährlichen Tagung kostenlose Workshops (Graduate Student Workshop Program), die von Experten geleitet werden, darüber hinaus ein Student Breakfast, wo Studenten aus aller Welt sich treffen können, und eine CV Review Session. Mitgliedern außerhalb der Vereinigten Staaten oder Kanadas werden (durch das Diversity Committee) Reisestipendien angeboten, um ihnen die Teilnahme an der Tagung zu erleichtern.

Harald Krebs (SMT Executive Board - President), Dezember 2012